Die inzwischen zurückgezogene Markenrechtsklage eines Modelabels gegen Neil Youngs Firma "The Other Shoe Productions" und der milliardenschwere Weiterverkauf von Songrechten an Sony machen deutlich: Hinter der künstlerischen Fassade des Songwriters existiert seit Jahrzehnten ein bemerkenswert komplexes Unternehmensnetzwerk, das weit über klassische Musikproduktion hinausreicht. Kaum ein Künstler seiner Generation hat über so viele Jahre hinweg ein derart ausgeklügeltes System aus Verlagen, Produktionsfirmen und Rechtegesellschaften aufgebaut, um die Kontrolle über das eigene Werk zu sichern.
Um Neil Youngs geschäftliche Entwicklung nachvollziehen zu können, lohnt zunächst ein Blick auf die Grundlagen des Musikurheberrechts. In der Musikindustrie wird grundsätzlich zwischen zwei zentralen Rechteebenen unterschieden. Zum einen existiert das Urheberrecht am musikalischen Werk selbst – also an Komposition, Songtext, Melodie und Harmonien. Diese Rechte liegen in der Regel bei den Songwritern beziehungsweise Komponisten und gelten meist bis 70 Jahre nach dem Tod des letzten Urhebers. Die Komposition eines Songs existiert rechtlich unabhängig davon, wer ihn aufnimmt oder interpretiert. Verwaltet werden diese Rechte häufig über Musikverlage, während Verwertungsgesellschaften wie ASCAP oder BMI in den USA die Tantiemen aus Radioeinsätzen, Streaming oder Live-Aufführungen einziehen und an die Rechteinhaber ausschütten.
Davon klar getrennt sind die Rechte an der Tonaufnahme selbst – das sogenannte Phonographic Copyright beziehungsweise die Master Rights (in den Credits mit ℗ gekennzeichnet) – sowie das klassische Album-Copyright (mit © gekennzeichnet), das Gestaltung, Artwork, Booklets und Verpackung umfasst. Die Master-Rechte schützen die konkrete Aufnahme eines Songs auf Tonträgern oder in digitalen Dateien. Traditionell liegen diese Rechte überwiegend bei den Plattenfirmen, da sie die Produktionskosten finanzieren. Werden Alben jedoch vollständig neu aufgenommen (nicht nur remixt) – wie es Taylor Swift mit ihren frühen Veröffentlichungen getan hat –, entstehen neue Master-Rechte, die unabhängig von den ursprünglichen Aufnahmen kontrolliert werden können. Genau darin liegt die strategische Bedeutung solcher Neuaufnahmen: Künstler gewinnen einen Teil ihrer Kontrolle zurück, während der Wert der alten Master-Bänder sinken kann.
Auch das Copyright am Album selbst verbleibt üblicherweise bei den Labels. Es schützt Veröffentlichungen vor illegalen Nachpressungen oder Raubkopien und kann international an andere Vertriebe lizenziert werden. So vertreibt Reprise Records Neil Youngs Alben traditionell in den USA, während der weltweite Vertrieb meist über Warner Bros. organisiert wurde.
Neil Youngs Karriere illustriert exemplarisch den jahrzehntelangen Versuch eines Künstlers, sämtliche Ebenen dieser Rechteverwaltung wieder unter eigene Kontrolle zu bringen. Über Jahrzehnte entstand so ein dichtes Firmengeflecht, das exakt diesem Zweck dient. [Weiter: Wem gehört was an Neil Youngs Werken ...]